Hs 4028 Thüring von Ringoltingen: Melusine

Material: Papier
Umfang: 97 Bl.
Maße: 30 x 20,5 cm
Zeit: 1468
Ort: Südwestdeutschland

Einführung:
Die Geschichte der Meerfee Melusine, die eine Ehe mit dem Ritter Raymond eingeht, wurde vom Berner Patrizier Thüring von Ringoltingen 1456 verfasst. Vorbild für die deutsche Bearbeitung war eine um 1400 entstandene französische Versdichtung von Couldrette.
Vom unmittelbaren Erfolg des deutschen Melusinenromans zeugen 15 erhaltene Handschriften des 15. Jahrhunderts, von denen lediglich zwei illuminiert sind. Die Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums bewahrt die ältere dieser beiden Handschriften in oberdeutscher Mundart, fertiggestellt im Jahr 1468. Ort der Niederschrift, Schreiber und Auftraggeber sind nicht bekannt.
Im Jahr 1573 schenkte Graf Wolfgang Jacob von Schwarzenburg die Handschrift dem Markgrafen Philipp II. von Baden. Durch Hans Frhr. von Aufseß gelangte sie in die Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums.
Der Codex enthält neben dem Melusinenroman noch eine Sammlung von Exempeln (fol. 98r - 130v) und zwei Bruchstücke von Erzählungen: „Der König im Bade“ (fol. 131rv) und „Der Ritter in der Kapelle“ (fol. 132r - 133v). Diese beigefügten Werke sind nicht digital abrufbar.
Die Melusinenhandschrift des Germanischen Nationalmuseums ist überaus reich mit 65 aquarellierten Federzeichnungen illustriert. Jedem Bild ist eine Überschrift in roter Tinte vorgestellt. Solche Überschriften dienten zunächst dem Maler als Hinweise für die Gestaltung der Miniaturen. Immer mehr nahmen sie aber die Funktion von Kapitelüberschriften an.

Externer Link Externer Link Beschreibung der Handschrift

Inhalt:
link Einband vorne
link 1r – 19r Raymond trifft die Meerfee Melusine und heiratet sie
link 19r – 46v Die Zeit des ehelichen Glücks von Raymond und Melusine
link 47r – 67v Bruch des Paktes und Rückkehr von Melusine ins Reich der Elementargeister
link 67v – 97v Die Taten Geffroys
98r – 130v: Exempel (ohne Abb.)
131rv: Der König im Bade (ohne Abb.)
132r - 133v: Der Ritter in der Kapelle (ohne Abb.)
link Einband hinten

Literatur:
1 Essenwein, August von: Bilder aus dem Jahr 1468 zur Erzählung von der schönen Melusine. In: Anzeiger zur Kunde der deutschen Vorzeit, NF 29, 1882. Sp. 325-330.
2 Zirnbauer, Heinz: Beschreibendes Verzeichnis der Miniturhandschriften vom 10. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts im Germanischen Museum zu Nürnberg. (Masch.schr. Bibl. GNM) 1927. S. 56-64.
3 Thüring von Ringoltingen: Melusine. Nach den Handschriften kritisch hrsg. von Karin Schneider. Berlin 1958. (Texte des späten Mittelalters; 9) S. 7-8.
- Kurras, Lotte: Die deutschen mittelalterlichen Handschriften. Teil 1. Wiesbaden 1974. (Kataloge des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg. Die Handschriften des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg; Bd. 1, T. 1.) S. 42-43.
4 Clier-Colombani, Françoise: La fée Mélusine au Moyen Age: images, mythes et symboles. Paris 1991.
5 Backes, Martina: „[...] von dem nabel hinauff ein menschlich vnd hübsch weyblichs bilde / vnd von dem nabel hin ab ein grosser langer wurm.“: zur Illustrierung deutscher Melusinen-Handschriften des 15. Jahrhunderts. In: Literaturwissenschaftliches Jahrbuch, N.F. 37 (1996) S. 67-88.
6 Clier-Colombani, Françoise: Les gestes de Melusine. In: Le geste et les gestes au Moyen Âge. Centre Universitaire d'Etudes et de Recherches Médiévales d‘Aix-en-Provence. Aix-en-Provence 1998. S. 145-173.
7 Lauterbach, Christiane: „...und von dem nabel hinunder ein grosser langer wurme“: die Meerfee Melusine zwischen den Welten. In: Monatsanzeiger 262, 2003. S. 7-9.
8 In den hellsten Farben: Aquarelle von Dürer bis Macke aus der Graphischen Sammlunge des Germanischen Nationalmuseums. 16.10.2003 - 25.1.2004 / Hrsg.: Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg. Ausstellung und Katalog: Yasmin Doosry. Nürnberg 2003. Kat.nr. 2, S. 20-21.
9 Backes, Martina: Fremde Historien: Untersuchungen zur Überlieferungs- und Rezeptionsgeschichte französischer Erzählstoffe im deutschen Spätmittelalter. Tübingen 2004. (Hermaea; 103)